Der Stand der Digitalisierung im Gesundheitswesen

Aktueller Stand der Digitalisierung

Um das Trendwort „Digitalisierung“ kommt man in der heutigen Zeit nicht mehr herum. Social Media, Telemedizin, künstliche Intelligenz, Big Data – die Digitalisierung ist allgegenwärtig. In Industrieländern geht der digitale Wandel sogar schon so weit, „dass oft von einer zweiten Industriellen Revolution gesprochen wird“. Dennoch gibt es deutliche Ungleichheiten im internationalen Vergleich hinsichtlich dem Stand der Digitalisierung: es besteht eine „digitale Kluft“ zwischen Entwicklungs- und Industrieländern.[1] Deutschland erzielt im europaweiten Vergleich über den Stand der Digitalisierung ein mittleres Ergebnis,[2] international gilt Deutschland als rückständig.[3] Es gibt also deutlichen Aufholbedarf, um in der sich rasant wandelnden digitalen Welt mithalten zu können.

Digitalisierung im Gesundheitswesen

Als besonderes Sorgenkind im digitalen Zeitalter gilt, vor allem in Deutschland, das Gesundheitswesen, welches im Branchenvergleich in die Gruppe der unterdurchschnittlich digitalisierten Gewerbe fällt (siehe Abbildung 1). Nach TNS Infratest Business Intelligence (2016) zeigte keine andere Branche eine stärkere Ablehnung und Unzufriedenheit gegenüber Digitalisierung und „knapp die Hälfte der Einrichtungen hatte die internen Prozesse erst in geringem Umfang digitalisiert“[4] .

Das Gesundheitswesen im Branchenvergleich fast als Schlusslicht

Problematisch sieht es vor allem in der Pflege aus, „einer Branche, die allgemeinhin als wenig technikaffin gilt“[5] . Hier stoßen technik-orientierte Lösungen schnell auf Kritik, was hauptsächlich an den neuen Herausforderungen im Berufsalltag, sowie an erheblichen Zugangsbarrieren liegt, die die Einführung neuer Technologien mit sich bringt.[6] Aufgrund des massiven Fachkräftemangels bleibt wenig Zeit, um digitale Lösungen in ein bestehendes System zu integrieren, vor allem wenn die Beteiligten nicht so selbstverständlich mit neuer Technik umzugehen wissen. Des Weiteren bereitet der Umgang mit sensiblen Patientendaten Sorgen, denn Datenschutz ist ohnehin ein Thema, welches viel Unsicherheit birgt. Insbesondere die neue Datenschutz Grundverordnung (DSGVO) hat in den Medien für große Aufruhr im Hinblick auf den Umgang mit persönlichen Daten gesorgt. Weitere Bedenken äußern sich, bei Pflegern und Patienten, in Bezug auf ein Spannungsfeld zwischen Technik und Pflege: die pflegerische Zuwendung sollte keineswegs durch technische Systeme ersetzt werden.

Dieser Ablehnung stehen aber viele Chancen gegenüber, angefangen bei Prävention durch Wearables und Fitness-Apps, welche vor allem von jungen Leuten genutzt werden. Auch die Digitalisierung der Medizin wird als wichtiges Zukunftsfeld gesehen, was die meisten Ärzte bereits vor einigen Jahren erkannt haben und der Telematik sowie der Telemedizin eine wachsende Bedeutung zugesprochen haben.[7] Bestätigt wurde dies durch das zum 1. Januar 2016 in Kraft getretene E-Health-Gesetz, das „Gesetz für sichere digitale Kommunikation und Anwendungen im Gesundheitswesen“.

Digitalisierung bringt also enorme Potenziale mit sich: mithilfe der aus verschiedenen Ebenen generierten Daten lassen sich viele Prozesse automatisieren und wertvolle Erkenntnisse über Abläufe gewinnen. Daten werden beispielsweise schon heute durch digitale Dokumentationssysteme, Krankenhaus-Informations-Systeme oder einzelne Unterstützungssysteme gewonnen. Diese Daten ermöglichen und erleichtern nicht nur interne Analysen, sondern bieten auch Chancen für eine optimierte Vernetzung innerhalb sowie zwischen verschiedenen Berufsgruppen. Ein Beispiel ist die Zusammenarbeit zwischen Krankenhaus und Krankenkassen oder die interne Kommunikation zwischen Pflegern, Ärzten und Spezialisten, die effizienter und ohne Datenverlust durch beispielsweise unleserliche Handschrift oder verloren gegangene Notizzettel ablaufen kann. Zusätzlich profitiert die Forschung von der gesammelten Information, denn besonders das Gesundheitswesen bietet großes Potenzial für Big Data[8] – also die Verarbeitung großer und weitgehend unstrukturierter Mengen an Daten innerhalb kurzer Zeit. Ein Beispiel für die Nutzung dieser Daten ist die Analyse von DNA-Strukturen auf erkennbare Muster, um den Arzt als Leistungserbringer in medizinischen Entscheidungsfindungen zu unterstützen.[9]

Fazit

Es ist deutlich, dass die Potenziale der Digitalisierung in den meisten Bereichen des Gesundheitssystems bereits erkannt und auch gefordert werden, so zum Beispiel vom Bundesministerium für Gesundheit.[10] Dennoch gibt es Hemmnisse, besonders im Bereich der Pflege, denn die pflegerische Fürsorge darf nicht unter dem Einsatz von Technologien leiden. Vielmehr sollte eine Entlastung des stressigen Arbeitsalltags angestrebt werden und dadurch mehr Zeit für Menschlichkeit geschaffen werden, was viele junge Unternehmen bereits realisiert haben. Dabei konnten Lösungen implementiert werden, die durchaus datenschutz-konform sind, indem sie beispielsweise ohne Angabe von persönlichen Daten funktionieren. Unsere Erfahrung mit Cliniserve hat gezeigt, dass sowohl Pflegekräfte, als auch Patienten von digitalen Lösungen profitieren können.[11] Die Akzeptanz für solche Alternativen ist besonders groß, wenn sich zusätzlich zu einer langfristigen Effizienz ein sofort spürbarer Mehrwert einstellt.

Auch wenn Digitalisierung ein Umstellen der bisherigen Abläufe erfordert und viele Prozesse anders ablaufen werden als bisher gewohnt, wird sich in vielerlei Hinsicht ein Mehrwert daraus ergeben. So können beispielsweise interne Arbeitsprozesse optimiert, medizinische Entscheidungsfindungen unterstützt und Präventionsmaßnahmen identifiziert werden. Früh Zeit in die Einführung einer neuen Technologie zu investieren wird sich langfristig durch effizientere Arbeitsabläufe auszahlen. Hinzu kommt, dass die jüngere Generation ihre Gesundheitsdaten bereits jetzt ganz selbstverständlich digital verwaltet,[12] was Anknüpfungspunkte für technische Lösungen bietet. Um in der heutigen Zeit mithalten zu können, ist ein schnelles Umdenken auch in der Krankenhausbranche nicht nur vorteilhaft, sondern erforderlich.

Autorin: Emma Bodner

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Quellennachweise

  1. Wissenschaftliche Dienste des Deutschen Bundestags: “Digitalisierung und Entwicklungspolitik” (Ausarbeitung) 2017, S. 4. Online verfügbar unter: https://www.bundestag.de/blob/525938/488ea79620fb0b4c452b42519f2afb37/wd-2-051-17-pdf-data.pdf aufgerufen am 05.06.2018
  2. Wissenschaftliche Dienste des Deutschen Bundestags: “Digitalisierung und Entwicklungspolitik” (Ausarbeitung) 2017, S. 4. Online verfügbar unter: https://www.bundestag.de/blob/525938/488ea79620fb0b4c452b42519f2afb37/wd-2-051-17-pdf-data.pdf  aufgerufen am 05.06.2018
  3. Bericht über den Stand der Digitalisierung in Europa 2017 – Länderprofil Deutschland, S. 2. Online verfügbar unter: ec.europa.eu/newsroom/document.cfm?doc_id=44307 zuletzt geprüft am 05.06.2018
  4. Neuhaus, Daniel: “Deutschland – Im Schneckentempo in Richtung Datenrevolution” in: Website The European, 31.03.2018 unter: https://www.theeuropean.de/daniel-neuhaus/13772-digitalisierung-deutschland-hinkt-hinterher zuletzt aufgerufen am 05.06.2018
  5. BGW Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege: “Pflege 4.0 – Einsatz moderner Technologien aus der Sicht professionell Pflegender” (Forschungsbericht), 2017, S. 27. Online verfügbar unter: https://www.bgw-online.de/SharedDocs/Downloads/DE/Medientypen/BGW%20Broschueren/BGW09-14-002-Pflege-4-0-Einsatz-moderner-Technologien_Download.pdf?__blob=publicationFile zuletzt geprüft am 06.06.2018
  6. Dr. Merda, Meiko; Schmidt, Kristina: “Pflege in Zeiten der Digitalisierung”, in: Die Schwester der Pfleger, 4/2018. Online verfügbar unter: https://www.bibliomed-pflege.de/zeitschriften/die-schwester-der-pfleger/heftarchiv/ausgabe/artikel/sp-4-2018/34825-pflege-in-zeiten-der-digitalisierung/ zuletzt aufgerufen am 05.06.2018
  7. BGW Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege: “Pflege 4.0 – Einsatz moderner Technologien aus der Sicht professionell Pflegender” (Forschungsbericht), 2017, S. 33. Online verfügbar unter: https://www.bgw-online.de/SharedDocs/Downloads/DE/Medientypen/BGW%20Broschueren/BGW09-14-002-Pflege-4-0-Einsatz-moderner-Technologien_Download.pdf?__blob=publicationFile zuletzt geprüft am 05.06.2018
  8. Institut für Demoskopie Allensbach: “Der Einsatz von Telematik und Telemedizin im Gesundheitswesen aus Sicht der Ärzteschaft” 2010, S. 1. Online verfügbar unter:  http://www.bundesaerztekammer.de/fileadmin/user_upload/downloads/pdf-Ordner/Telemedizin_Telematik/Telemedizin/eHealth_Bericht_kurz_final_1_.pdf zuletzt geprüft am 05.06.2018
  9. Rüping, Stefan: “Big Data in Medizin und Gesundheitswesen” in Bundesgesundheitsblatt – Gesundheitsforschung – Gesundheitsschutz, Zusammenfassung unter: https://link.springer.com/article/10.1007/s00103-015-2181-y zuletzt aufgerufen am 05.06.2018
  10. pwc: “Weiterentwicklung der eHealth-Strategie”, Studie im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit, 24.10.2016, S. 67. Online verfügbar unter: https://www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/Dateien/3_Downloads/E/eHealth/BMG-Weiterentwicklung_der_eHealth-Strategie-Abschlussfassung.pdf zuletzt geprüft am 05.06.2018
  11. Bundesministerium für Gesundheit: “E-Health – Digitalisierung im Gesundheitswesen”, 17.05.2018 unter: https://www.bundesgesundheitsministerium.de/e-health-initiative.html#c2845 zuletzt aufgerufen am 05.06.2018
  12. weitere Information: https://www.cliniserve.de/diakoniewerk-muenchen 13.03.2018,  zuletzt aufgerufen am 05.06.2018
  13. “Digitalisierung wird Prozesse in Krankenhaus deutlich verändern” in: aerzteblatt.de, 09.06.2016 unter: https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/68073/Digitalisierung-wird-Prozesse-im-Krankenhaus-deutlich-veraendern zuletzt aufgerufen am 05.06.2018