Im Krankenhaus herrscht Alarm-Fatigue

Was ist Alarm-Fatigue?

Im Krankenhaus werden Ärzte, Pfleger und Patienten tagtäglich mit einer Flut von Signalen konfrontiert. Alarme, in akustischer oder optischer Form, gehören zum Klinikalltag. Doch was wird signalisiert? Wie ist zu reagieren? Und welchem dieser Alarme ist Priorität zuzuordnen? Ein Alarm will vor einer Gefahr warnen, unmittelbar Aufmerksamkeit auf sich lenken und für eine schnelle Reaktion sorgen. Ganz egal, womit man gerade beschäftigt ist. Doch wenn Warntöne nicht mehr die Ausnahme sind, sondern zur Regel werden, gewöhnt der Mensch sich daran. Die Konsequenz: die Reize werden nicht mehr als Warnung registriert und sie geraten in den Hintergrund der Wahrnehmung. Dieses Phänomen der Desensibilisierung als Folge von zu vielen Alarmen in Krankenhäusern wird als “Alarm-Fatigue” bezeichnet.

Wo liegen die Probleme?

Pflegekräfte werden auf der Intensivstation täglich mit 150 – 300 Alarmen pro Patient konfrontiert,[1] doch die allermeisten davon sind Fehlalarme oder erfordern keine klinische Intervention.[2] Auf Normalstationen kann man das gleiche Phänomen beobachten. Hier handelt es sich meist um weniger kritische Alarme, denn die Patienten äußern viele, teils essentielle Bedürfnisse, die zum größten Teil kein Notfall sind. Die Patienten klingeln, wenn sie beispielsweise etwas zum Trinken brauchen, oder wenn sie eine Mobilitätsunterstützung benötigen. Als Folge davon werden diese Alarme noch häufiger ignoriert, insbesondere aufgrund der starken Nutzung der für Alarme vorgesehenen Klingel zum Zweck von Serviceanfragen.

Je mehr Patientendaten erhoben werden können, desto mehr Potential zur Überwachung besteht. Durch die wachsende Zahl an Gerätschaften werden immer mehr Abweichungen und Grenzwertüberschreitungen gemessen, die alle zu einem konstanten “Alarmpegel” beitragen. Doch die Masse bleibt nicht das einzige Problem. Für das Pflegepersonal bedeutet es enormen mentalen Stress, den ganzen Tag hunderten von Warnsignalen ausgesetzt zu sein und diese zu evaluieren.[3] Permanent müssen verschiedenste Alarme zugeordnet und priorisiert werden, wenn in den allermeisten Fällen kein unmittelbarer Notfall besteht. Die Patienten stellen viele Anfragen mit Servicecharakter und wenn das Personal gerade mit einer Aufgabe beschäftigt ist, muss diese dafür unterbrochen werden.

Alarm-Fatigue ist die Folge: Alarme werden nicht mehr wahrgenommen, ignoriert oder gar abgestellt in der Annahme, dass es ein Fehlalarm sei. Pflegekräfte reagieren oft nicht mehr angemessen auf die Warnsignale, was die Patientensicherheit massiv gefährdet. Im Ernstfall mit tödlichen Folgen: 2011 wurde von der Massachusetts Nurse Association von elf verstorbenen Patienten in Zusammenhang mit Alarm-Fatigue in Massachusetts berichtet. Eines der Opfer war ein älterer Mann, bei dem ein bevorstehender Herzinfarkt befürchtet wurde. Er wurde zur Beobachtung an ein Kardiogramm angeschlossen, doch am nächsten Tag wurde er tot aufgefunden. Der Grund waren die Kabel, die nicht mehr an den Patienten angeschlossen waren. Es wurde ein Alarm ausgelöst, der genau das signalisierte, doch dieser wurde stumm gestellt, ohne das Problem zu beheben. Mit fatalen Folgen für den Patienten.[4] Leider ist das kein Einzelfall, es kommt immer wieder zu Vorfällen wie diesem.

Cliniserve reduziert die Zahl Alarme

Cliniserve bietet eine Alternative zum Notfallknopf, wodurch Alarme reduziert und differenziert werden können. Patienten können per App oder Webbrowser ihre spezifischen Bedürfnisse mitteilen, was die Pflegekraft als Benachrichtigung auf ihrem Endgerät erhält. Dadurch weiß sie direkt, was ein Patient braucht. Das trägt unter anderen dazu bei, dass die Dringlichkeit besser eingeschätzt und Anfragen effektiver priorisiert werden können. Anfragen mit Servicecharakter können ohne Probleme an betreffendes Personal delegiert werden. So kann mehr Zeit für Pflegekräfte geschaffen werden, um ihrer eigentlichen Tätigkeit, der Pflege von Patienten, nachzugehen. Andere Anfragen, wie zum Beispiel Essen oder Trinken, können vom Service-Personal erledigt werden.

Außerdem wird die Patientenklingel viel seltener betätigt, idealerweise nämlich nur noch im Notfall. Das führt dazu, dass das akustische und optische Signal des Notfallknopfes kein konstanter Teil des gewohnten Alltages mehr ist. Der Einsatz von Cliniserve im Diakoniewerk München Maxvorstadt hat gezeigt, dass Patienten, die Cliniserve nutzen, das herkömmliche Lichtrufsystem viel seltener anwenden. 90% der Anfragen wurden über Cliniserve gestellt, während die Patientenklingel nur noch in wirklich dringenden Fällen zum Einsatz kam. Der Alarm rückt demnach nicht mehr so leicht in den Hintergrund, da er nicht permanent ertönt. Er zieht leichter wieder die volle Aufmerksamkeit des Personals auf sich, da er die ständigen, gewohnten Geräusche des Klinikalltages durchbricht und nicht mehr Teil davon ist. So kann dem Problem Alarm-Fatigue, und den teils dramatischen Folgen davon, entgegengewirkt und der Fokus richtig gesetzt werden.

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Literatur

  1. https://www.conhit.de/media/cit/cit_dl_vortraege/archiv_vortraege_2016/Hueske_Kraus_Dirk_-_Alamierende_Alarme_Praesentation_2016.pdf
  2. https://books.google.de/books?hl=de&lr=&id=mvA-DwAAQBAJ&oi=fnd&pg=PA107&ots=gCjC2ylWky&sig=ON1nwyaSNCIApB0XkjKG_ryD_y8#v=onepage&q&f=false
  3. https://books.google.de/books?hl=de&lr=&id=mvA-DwAAQBAJ&oi=fnd&pg=PA107&ots=gCjC2ylWky&sig=ON1nwyaSNCIApB0XkjKG_ryD_y8#v=onepage&q&f=false
  4. https://www.massnurses.org/news-and-events/archive/2011/p/openItem/7153